Mythen

  Jeder von uns hat so seine Vorstellungen von sexuell übertragbaren Erkrankungen im Kopf. Diese Stimmen jedoch nicht alle.

Eine Vorstellung ist, dass HIV und andere sexuell übertragbare Erkrankungen nur bei homosexuell aktiven Männern vorkommen. Diese kommt aus der Zeit Anfang der 1980er Jahre, als die AIDS-Epidemie begann und die Erkrankung zunächst bei homosexuell aktiven Männern festgestellt wurde. Tatsächlich sind alle Personen gefährdet, die ungeschützten Geschlechtsverkehr haben, ohne etwas über den HIV-Status des Partners zu wissen. Richtig ist, dass die Gruppe der Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben, insgesamt ein höheres HIV-Ansteckungsrisiko aufweist.

Geschichte von HIV/AIDS

1981 waren in den USA Infektionen beschrieben worden, die vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem befallen. Bei den betroffenen Menschen handelte es sich dabei um zuvor gesunde homosexuelle Männern in Los Angeles.

Schon 1982 wurde eine erworbene Immunschwächekrankheit vermutet. Nachdem auch Fälle bei heterosexuellen Drogenabhängigen und Empfängern von Blut (durch Bluttransfusionen) aufgetreten waren, war klar, dass die Krankheit als solche nichts mit Homosexualität zu tun hatte. Übrigens wurde der erste Fall in Deutschland ebenfalls 1982 diagnostiziert.
Nach einigen Jahren Forschung wurde schließlich entdeckt, dass ein bestimmtes Virus die Ursache von AIDS war.

1986 wurde der Name Humanes Immunschwächevirus (HIV) eingeführt.

1985 fand schon die erste Welt-AIDS-Konferenz statt.

1987 wurde das erste Medikament gegen HIV/AIDS zugelassen. Dennoch starben in den 1980er und der ersten Hälfte der 1990er Jahre viele Menschen an AIDS, darunter auch prominente Menschen wie der Queen Sänger Freddy Mercury (1991).

In den 1990er Jahren wurden dann erhebliche medizinische Fortschritte erzielt. Zum Beispiel die sogenannte Kombinationstherapie. Durch diese Fortschritte sind die Lebensqualität und Lebenserwartung von Menschen mit HIV heute deutlich gesteigert.

Seit Anfang der 1990er Jahre ist die rote Schleife ein Symbol der Solidarität mit HIV-positiven und an AIDS-erkrankten Menschen.

Bis Ende 2004 hatten sich in Deutschland seit Beginn der Epidemie geschätzte 73.000 Personen mit HIV infiziert, davon lebten Ende 2004 noch 46.500 Menschen.

Die jährliche Neuerkrankungsrate steigt seit 2002 wieder an. Weltweit leben 33,2 Millionen Männer, Frauen und Kinder mit HIV/AIDS (Stand: 2007).
Die untenstehende Grafik des deutschen Robert-Koch-Instituts zeigt eine Schätzung darüber, wie viele Erwachsene und Kinder im Jahr 2007 mit HIV/AIDS leben.


Grafik: © Robert-Koch-Institut

Viele Menschen glauben auch, sexuell übertragbare Erkrankungen kämen in unserer westlichen Welt immer seltener vor. Demgegenüber steht in Deutschland tatsächlich eine Zunahme der Neuerkrankungsraten, zum Beispiel bei Syphilis und HIV/AIDS.

Verbreitet ist zudem die Auffassung, sexuell übertragbare Erkrankungen könnten durch Petting oder Oralsex nicht übertragen werden. Auch das ist so nicht richtig. Es kommt immer auf die Situation an. Das Ansteckungsrisiko bei Oralverkehr ist gering. Allerdings sind Ansteckungen möglich, wenn es z.B. zu einem Samenerguss im Mund kommt und gleichzeitig eine Entzündung des Rachens oder Wunden (z.B. Zahnfleischwunden) vorliegen, oder wenn der eindringende Partner eine Harnröhrenentzündung hat. Kommt der Mund mit Menstruationsblut oder infektiösem Scheidensekret in Kontakt, besteht ebenfalls ein Ansteckungsrisiko.

Viele Menschen denken auch, Sex mit Kondom mache keinen Spaß oder sei uncool. Das ist eigentlich nur eine Vorstellung – oft bei Jungen und Männern. Mädchen und Frauen denken vielleicht oft: "Wenn ich auf ein Kondom bestehe, wird mein Freund nicht mehr mit mir schlafen wollen." Dabei gibt es heute ganz verschiedene Arten von Kondomen, z.B. auch besonders gefühlsaktive. Eine Entscheidung für Sex ohne Kondom sollte nur bei einer stabilen Partnerschaft im gegenseitigen Einverständnis getroffen werden. Ein gemeinsamer HIV-Test kann dazu der Anfang sein.

"Wenn ich nichts spüre, habe ich auch nichts" – eine Auffassung, die gerade im Bereich sexuell übertragbarer Erkrankungen nicht zutrifft. Viele Infektionen verlaufen Tage, Wochen, Monate oder Jahre ohne Symptome. Das ist ein Unterschied zu vielen anderen Krankheiten, die wir kennen. Eine weitere Besonderheit bei sexuell übertragbaren Erkrankungen ist, dass es oftmals nicht ausreicht, wenn sich nur derjenige behandeln lässt, der Symptome hat. Meist ist eine Partnerbehandlung miterforderlich.