Episode 2
Stranddiebe und Rothäute
"...Plötzlich standen sie im finsteren Wald. Es war so dunkel, dass man die Hand vor Augen nicht sehen konnte und erst recht keine Spur der Diebe, die sie verfolgten. Doch was war das? Rascheln. Äste brachen. Schwere, schnelle Schritte kamen direkt auf sie zu. Tom und Bastian stockte der Atem..."
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"Ach! Das ist doch Müll, was ich da schreibe! Ich habe einfach keine Inspiration", flucht Max und wirft seinen Bleistift in den hellen Sand der französischen Bucht.
"Du spinnst! Das klingt doch gar nicht schlecht", tröstet ihn Paolo.
"Ja, ja, nicht schlecht – reicht aber nicht. Mir fehlt die Erfahrung. Wie soll ich denn Spannung aufbauen, wenn ich nie etwas Spannendes erlebt habe?!" fragt Max verzweifelt.
"Ach, komm. Erzähl doch nichts! Jeder hat doch schon mal ein Abenteuer erlebt", behauptet Paolo.
"Du vielleicht! Dir stehen Abenteurer und Superheld ja geradezu auf die Stirn geschrieben", entgegnet Max trotzig, während Thelma und Natalya schmunzelnd neben ihnen in der Sonne liegen und den beiden zuhören.
"Hey Superheld! Cremst Du mir bitte den Rücken ein?" Bei diesem Augenaufschlag und Schmollmund kann der Südländer der hübschen Thelma einfach nichts abschlagen.
"Sonnenschutzfaktor 50?! Ist das nicht ein bisschen übertrieben, Porzellanpuppe?", fragt Paolo spöttisch. "Nicht jeder will verbrannte Lederhaut haben wie Du!", faucht Thelma. "Ach, gib’s doch zu! Da stehst du doch drauf!", erwidert der dunkelhäutige Italiener und zwinkert ihr provokant zu.
Bei diesen Worten reißt Thelma ihm die Sonnencreme aus der Hand und bittet Natalya darum, ihr den Gefallen zu tun und sie einzureiben.
"Willst Du auch welche? Du bist schon leicht rot auf der Nase", fragt Thelma ihre Freundin.
"Nee, danke, hab' mich schon eingecremt", lügt Natalya, die Angst hat, ihre Akne könnte von der fettigen Creme noch schlimmer werden.
"Mon Dieu! Mon argent, mon portemonnaie...", der Schrei einer alten Dame, die gerade aus dem Wasser zu ihrem Handtuch zurückgekehrt ist, schreckt die vier Sonnenanbeter auf.
"Was hat die Alte denn für ein Problem?" fragt Paolo verwundert.
"Sie sagt, ihr ganzes Geld sei verschwunden. Wahrscheinlich geklaut. Ein Dieb soll schon seit längerem sein Unwesen an diesem Strand treiben", übersetzt Max, zur allgemeinen Bewunderung der anderen drei.
"Geklaut? Gib's doch zu Max! Du hast das ganze hier inszeniert, um endlich eine spannende Geschichte schreiben zu können", lacht Natalya und die anderen stimmen mit ein.
"Haha. Sehr witzig. Wir sollten lieber der alten Dame helfen. Paolo tu was!"
"Ich? Ich spreche doch nicht mal Französisch. Nee, Max. Du wolltest ein Abenteuer und nun hast du eins", entscheidet Paolo.
"Wir sind dabei, aber du bist bei diesem Abenteuer der Kopf des Teams", stimmen ihm Natalya und Thelma zu.
Zögernd kommt Max unter seinem Sonnenschirm hervor. "Ich kann nicht, ich bin nicht gut eingecremt", stammelt er und verschwindet wieder im Schatten des Schirms.
"Was habt ihr nur alle mit eurer blöden Sonnencreme?! Weicheier", zischt Paolo. Das kann Max nicht auf sich sitzenlassen. Er überlegt kurz, runzelt die Stirn und springt unter dem Schirm hervor:
"Ich habe eine Idee!"
Während Max mit einem Stück Treibgut einen Schlachtplan in den hellen Sand zeichnet, stehen die anderen in einem Kreis um ihn herum und lauschen dem Vorhaben. Es ist Mittag. Die Sonne steht an ihrem höchsten Punkt, sodass die vier Abenteurer fast keinen Schatten auf den heißen Sand werfen. Max gestikuliert und erzählt, während die anderen konzentriert zuhören und nicken. Als alle den Plan verstanden haben, geht es los. Die Mädchen schnappen sich ihre Luftmatratzen und laufen ins Wasser. Sie sind die Lockvögel. Die Jungs verlassen ihren Platz und verstecken sich hinter einer nahe gelegenen Düne. Von dort aus können sie die Mädchen und ihre verlassenen Taschen gut beobachten und den Dieb schnappen, sobald er sich an die Beute macht. Thelma und Natalya planschen vergnügt im Meer. Sie scheinen so abgelenkt, dass der Dieb ein leichtes Spiel hätte.
Max und Paolo liegen hinter der Düne in der prallen Sonne und schwitzen. Nichts tut sich. Es ist still um sie herum. Angestrengt starren die beiden auf die in der Hitze flimmernden Handtücher. Nach geraumer Zeit können Natalya und Thelma nicht mehr und kommen erschöpft aus dem Wasser. Auch Paolo und Max geben allmählich auf. Max Haut brennt und ist feuerrot. In seiner Detektivrolle aufgehend, hat er nicht bemerkt, wie stark die Sonne auf seinen Rücken brannte. Enttäuscht kehren die vier zu ihrem Platz zurück.
"Tja, das war wohl heute nichts mit dem Abenteuer. Wir sollten es morgen früh noch mal versuchen. Der Dieb kommt sicher wieder," sagt Max mit rotem Gesicht.
"Ja, morgen ist auch noch ein Tag. Lasst uns zurück zum Camp gehen. Ich habe schreckliche Kopfschmerzen", meint Paolo, von dem man solche Töne eher nicht gewohnt ist.
Als die vier Freunde ihre Sachen packen und am Sonnenschirm der alten Dame vorbeigehen, sehen sie diese vergnügt mit ihrem kleinen, schwarzen Hund spielen.
"Du kleiner Frechdachs! Du hast mir vielleicht einen Schrecken eingejagt. Du solltest mich beschützen und deine Spürnase nutzen, um Dinge wieder zu finden und nicht, um sie zu verstecken, du Schelm". Die alte Dame tätschelt ihren Hund, der zufrieden mit dem Schwanz wedelt.
"Haben Sie ihr Geld wieder bekommen?", fragt Max die Dame erstaunt.
"Nein, nein. Es war gar nicht gestohlen. Mein kleiner Claude hatte mein Portemonnaie aus meiner Tasche stibitzt und vergraben. Ich habe es eben erst wieder gefunden. So ein Schlingel!", erklärt die Frau erleichtert.
"Oh Mann!", maulen Paolo und Max fast gleichzeitig, "Jetzt haben wir stundenlang in der prallen Sonne ausgeharrt, um als Helden in die Geschichte des Camps einzugehen und was haben wir davon?"
"Einen schmerzhaften Sonnenbrand" entgegnet Natalya, deren Nase inzwischen so rot ist, dass sie im Dunkeln leuchten würde.
"Tja, ihr wolltet ja nicht auf mich hören. Sonnencreme ist gar keine so schlechte Idee. Selbst nicht für Abenteurer und Superhelden!", schmunzelt Thelma.
"Aber ein Allheilmittel ist sie auch nicht", prustet Natalya los und deutet auf Thelmas feuerrotes Gesicht und die ebenso glühenden Schultern. Morgen ist T-Shirt-Tag, beschließen die vier und sind sich ausnahmsweise mal einig.
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