Gesundheit & Co

Davon, was Gesundheit ist, gibt es zahlreiche, ganz unterschiedliche Auffassungen. Dennoch ist diesen vielen Ansichten Eines gemein: Gesundheit geht jeden etwas an.

Um Interessierten den Einstieg in die Gesundheitsförderung zu erleichtern, soll dieses Kapitel einen Einlick in das Thema Gesundheit und Gesundheitsförderung liefern.

  Gesundheit: In diesem Bereich wird der Frage "Was ist eigenlich Gesundheits?" auf den Grund gegangen. Mehr Infos finden Sie hier.
     
  Gesundheitsförderung: Immer stellt sich die Frage danach, wie man die Gesundheit fördern kann. Was Gesundheitsförderung ist, wird hier beantwortet.
     

  Salutogenese: Hinsichtlich der Gesundheitsförderung stehen nicht zwingend krankmachende Risikofaktoren im Mittelpunkt, sondern hier spielen die Ressourcen jedes Einzelnen eine bedeutende Rolle. Näheres zum Modell der Salutogenese finden Sie hier.
     
    HAPA-Modell: Wie man Gesundheitsförderung in einem Lernsetting umsetzen kann, dafür liefert das sogenannte HAPA-Modell wichtige Anregungen. Dieses wird hier näher vorgestellt.  
     
  Literatur: Weiterführende Informationen zum Thema finden Sie hier.

Gesundheit

Was steht oft in einer Geburtstagskarte? "Herzliche Glückwünsche, viel Erfolg im neuen Lebensjahr und vor allen Dingen Gesundheit". Offenbar spielt Gesundheit eine große Rolle für ein zufriedenes oder sogar glückliches Leben. Ein bekannter Philosoph – Schopenhauer – hat einmal gesagt: "Gesundheit ist nicht Alles, aber ohne Gesundheit ist Alles nichts". Das sind Beispiele, die die Wertschätzung von Gesundheit deutlich machen.

Bei dem Versuch, Gesundheit kurz und bündig zu beschreiben, stößt man jedoch schnell an Grenzen. Vielleicht ist es gar nicht möglich, Gesundheit allgemein gültig zu beschreiben, weil jeder ganz persönliche Vorstellungen davon hat. So spielen z.B. bestimmte Erfahrungen und auch Persönlichkeitseigenschaften eine Rolle dabei, wie man für sich selbst Gesundheit empfindet. Ein paar Beispiele für unterschiedliche Auffassungen von Gesundheit sind in der Abbildung unten aufgeführt. Manche Definitionen sind auf das körperliche Funktionieren der "Maschine Mensch" ausgerichtet, andere beziehen sich nur auf das Fehlen von Krankheit. Wieder andere sind sehr umfassend, sie stellen das Wohlbefinden des Menschen bei ganz verschiedenen Erfahrungen und Empfindungen (z.B. eigener Körper, Gefühle, Beziehungen zu anderen) in den Mittelpunkt.

 

Die unterschiedlichen Vorstellungen von Gesundheit können mit verschiedenen Verhaltensweisen zusammen hängen. Wer  der Meinung ist, selbst keinen Einfluss auf seine Gesundheit zu haben, weil diese vom Zufall oder höheren Mächten abhängt, wird sich wahrscheinlich nicht dafür einsetzen, seine Gesundheit zu fördern und zu erhalten. Wer überzeugt ist, zu einem großen Teil selbst verantwortlich für seine Gesundheit zu sein, vermeidet vielleicht eher gesundheitsschädliches Verhalten und versucht, aktiv etwas für seine Gesundheit zu tun.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 1946 die bekannteste Definition von Gesundheit vorgenommen: "Gesundheit ist der Zustand des völligen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen." (WHO 1946)

Wichtig an dieser Definition ist ihr ganzheitlicher Anspruch. Für die damalige Zeit war es nicht selbstverständlich, das geistige (heute vielleicht eher psychische) und auch das soziale Wohlbefinden gleichrangig neben das körperliche Wohlbefinden als Voraussetzung für Gesundheit zu stellen.

Förderung der Gesundheit

Was bedeutet nun eigentlich Gesundheitsförderung? Auch hier hat die Weltgesundheitsorganisation eine bekannte Definition aufgestellt:

 

"Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen" (WHO 1986).

 

Unter dieser Leitidee steht auch das Projekt zu Hauterkrankungen und sexuell übertragbaren Erkrankungen. Das bedeutet, dass Schüler am Beispiel der hier gewählten Themen lernen und erfahren können, selbstbestimmt ihre Gesundheit zu stärken.

In der sogenannten Ottawa-Charta (1986) werden von der Weltgesundheitsorganisation drei Handlungsstrategien und fünf vorrangige Handlungsfelder der Gesundheitsförderung genannt.

  Die drei Handlungsstrategien der Gesundheitsförderung sind hier näher beschrieben.

Handlungsstrategien der Gesundheitsförderung

Zu den drei Handlungsstrategien zählen die Interessenvertretung (bzw. Anwaltschaft für Gesundheit), das Befähigen und Ermöglichen sowie das Vermitteln und Vernetzen.

1. Interessenvertretung.
Durch aktives, anwaltschaftliches Eintreten sollen gesundheitsschädliche und - zuträgliche Faktoren (politische, ökonomische, soziale, kulturelle, biologische sowie Umwelt - und Verhaltensfaktoren) positiv beeinflusst und der Gesundheit zuträglich gemacht werden. Zum Beispiel sollen soziale Unterschiede hinsichtlich des Gesundheitszustandes von Kindern und Jugendlichen abgebaut werden.
 
2. Befähigen und Ermöglichen.
Soziale Unterschiede des Gesundheitszustandes sollen veringert sowie Möglichkeiten und Voraussetzungen geschaffen werden, um alle Menschen zu befähigen, ihr größtmögliches Gesundheitspotential zu verwirklichen. Dies umfasst sowohl Geborgenheit und Verwurzelung in einer unterstützenden sozialen Umwelt, den Zugang zu Informationen und die Entfaltung von praktischen Fertigkeiten als auch die Möglichkeit, selber Entscheidungen in Bezug auf die persönliche Gesundheit treffen zu können. Menschen können ihr Gesundheitspotential nur entfalten, wenn sie auf Faktoren, die ihre Gesundheit beeinflussen, auch Einfluss nehmen können.
 
3. Vermitteln und Vernetzen.
Die dritte Strategie betrifft das Vermitteln und Vernetzen im Sinne eines koordinierten Zusammenwirkens unter Beteiligung aller Verantwortlichen in Regierungen, im Gesundheits-, Sozial- und Wirtschaftssektor, in nichtstaatlichen und selbstorganisierten Verbänden und Initiativen sowie in lokalen Institutionen, in der Industrie und in den Medien. Weiterhin sind Menschen aus allen Lebensbereichen als Einzelne, Familien und Gemeinschaften einzubeziehen.

     
  Die wesentlichen fünf Handlungsbereiche für Gesundheitsförderung sind hier näher beschrieben.

Handlungsbereiche der Gesundheitsförderung

Als die wesentlichen fünf Handlungsbereiche für Gesundheitsförderung wurden schließlich folgende identifiziert:

1. Die Entwicklung einer gesundheitsförderlichen Gesamtpolitik
Hier sind die Entscheidungsträger auf politischer Ebene gefordert (kommunal, Länderebene, Bundesebene, EU).
 
2. Die Schaffung gesundheitsförderlicher Lebenswelten
Hier können wir gesundheitsfördernde Bedingungen selbst in unserem "Setting" mitgestalten (Schule).
 
3. Die Unterstützung gesundheitsbezogener Gemeinschaftsaktionen
Hier sind alle "Akteure" in einem System gefordert.
 
4. Die Entwicklung persönlicher Kompetenzen
Hier können ganz individuell wir alle etwas für uns tun und als Lehrer dabei helfen, dass Schüler diese Kompetenzen erwerben.
 
5. Die Neuorientierung der Gesundheitsdienste und anderer gesundheitsrelevanter Dienste
Hier sind die "formalen" Gesundheitsprofis gefordert, die ja auch in unserem Projekt mitwirken.

Insbesondere der Handlungsbereich "Entwicklung persönlicher Kompetenzen" ist für die Herleitung eines gesundheitspädagogischen Auftrags von Bedeutung. In der Ottawa-Charta wird hierzu ausgeführt, dass Gesundheitsförderung "die Entwicklung von Persönlichkeiten und sozialen Fähigkeiten durch Information, gesundheitsbezogene Bildung sowie die Verbesserung sozialer Kompetenzen und lebenspraktischer Fertigkeiten" unterstützt.

 

Salutogenese

"Was macht Menschen krank?" Diese Frage beschäftigt vor allen Dingen die medizinische Wissenschaft. Es wird versucht, die Entstehungsweise von Krankheiten zu verstehen und sie zu beeinflussen. Auch Psychologen beschäftigen sich traditionell eher aus dieser Perspektive mit krankmachenden Einflüssen, wie z.B. Stress. Was unsere jüngste Vergangenheit angeht, hat die Umkehrung der Frage für eine Erweiterung der Blickrichtung gesorgt.

"Was erhält den Menschen gesund?"
Bereits in der Antike hat man sich mit der Frage beschäftigt, wie man Krankheiten vermeiden oder gar Gesundheit fördern kann. Schon Hippokrates (460-377 v. Chr.) hat erkannt, dass der Mensch seine Gesundheit nur dann erhalten kann, wenn er "in Einklang mit der Weltordnung" lebt. Den Menschen seien diese Gesetzmäßigkeiten nur meistens nicht bekannt, so dass sie gegen diese Lebensordnung verstoßen und krank werden. Auch Galen (129-199 v. Chr.) hat die besondere Bedeutung der Krankheitsverhütung und Gesundheitsförderung bereits betont: "Da der Zeit wie der Wertschätzung nach die Gesundheit vor der Krankheit kommt, müssen auch wir doch wohl zuerst darauf schauen, wie man sie bewahren kann und erst in zweiter Linie, wie man die Krankheit am besten ausheilen kann."

"Was erhält den Menschen gesund?". So lautet die zentrale Frage, auf die ein Forscher zufällig gestoßen ist. Aufgefallen war ihm, dass bei Frauen, die während des Nationalsozialismus stark traumatisiert worden waren (Gefangenschaft in Konzentrationslagern), einige Frauen gesundheitlich weniger beeinträchtigt waren als andere. Aus der klassischen Perspektive heraus ("Was macht krank?") hätte man sich mit der Gruppe der psychisch und körperlich stark beeinträchtigten Frauen beschäftigt. Antonovsky hat aber versucht, aus der Untersuchung der gesundheitlich weniger beeinträchtigten Frauen Gründe zu finden, die bei ihnen dazu geführt haben, dass sie mit sogenannten Stessoren besser umgehen konnten. Antonovsky definiert Stressoren als Anforderungen, mit denen der Mensch sich auseinander setzen muss.

Er wollte zudem überprüfen, ob diese Gründe auch für andere Menschen gelten. Entscheidend dafür ist, dass man Stressoren Widerstandsressourcen entgegen setzen kann. Jeder kennt das Phänomen, dass nicht alle Menschen, die den gleichen Krankheitserregern ausgesetzt sind, auch erkranken. Bei einer Erkältungswelle zum Beispiel stecken sich einige Menschen an, andere bleiben gesund. Erklären würde man das z.B. mit besseren Abwehrkräften, die eine Ansteckung verhindern. Wie aber kommt es dazu, dass einige Menschen über bessere bzw. schwächere Abwehrkräfte verfügen? Das Konzept, das versucht zu erklären, wie Gesundheit und auch Krankheit entsteht, wird das "Modell der Salutogenese" (der Gesundheitsentstehung) genannt.

Stressoren, Widerstandsressourcen und das Kontinuum von Gesundheit und Krankheit. Antonovsky legt seinem Salutogenese-Modell die zentrale Annahme zugrunde, dass in jedem Menschen sowohl gesunde als auch kranke Anteile vorhanden sind. Er sieht Gesundheit und Krankheit als Pole eines Kontinuums.
Die Gesundheit eines Menschen hängt davon ab, welchen Stressoren er ausgesetzt ist und über welche Widerstandsressourcen er verfügt. Die Balance zwischen den belastenden und entlastenden bzw. schützenden Faktoren bestimmt dann das Gesundheitsniveau (siehe Abbildung).

Stressoren und Widerstandsressourcen
Stressoren und der Umgang mit ihnen bestimmen in dem Modell der Salutogenese, in welche Richtung man sich auf dem Kontinuum von Gesundheit und Krankheit bewegt. Stressoren müssen aus salutogenetischer Sicht nicht per se gesundheitsschädlich sein, entscheidend ist die Auseinandersetzung mit ihnen. So kann der erfolgreiche Umgang mit Stressoren auch gesundheitsfördernde Wirkungen haben. Demnach hängt es von der Art des Stressors und der Art der Bewältigung des Stressors ab, ob dieser positive oder negative gesundheitliche Konsequenzen hat. Die Faktoren, die entscheiden, ob eine Bewegung hin zum positiven (Gesundheits-)Pol oder eher in Richtung des negativen (Krankheits-)Pols führt, nennt Antonovsky "generalisierte Widerstandsressourcen". Dazu zählen alle Faktoren, die den konstruktiven Umgang mit Stressoren ermöglichen. Diese Faktoren sind sowohl im Individuum selbst als auch in dessen Umfeld bzw. der Gesellschaft zu finden.
Wirkung von Stressoren: Sie erzeugen einen Spannungszustand, der Bewältigt oder nicht bewältigt wird und somit eher in Richtung Gesundheit (Salutogenese) oder Krankheit (Pathogenese) mündet (Gesundheits-Krankheits-Kontinuum).
Gesundheits-Krankheits-Kontinuum
Antonovsky hat dies sehr bildhaft beschrieben, in dem folgenden Zitat hat er seine Grundannahmen in einer Metapher verdeutlicht:
"...meine fundamentale philosophische Annahme ist, dass der Fluss der Strom des Lebens ist. Niemand geht sicher am Ufer entlang. Darüber hinaus ist für mich klar, dass ein Großteil des Flusses sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn verschmutzt ist. Es gibt Gabelungen im Fluss, die zu leichten Strömungen oder in gefährliche Stromschwellen und Strudel führen. Meine Arbeit ist der Auseinandersetzung mit folgender Frage gewidmet: ´Wie wird man, wo immer man sich in dem Fluss befindet, dessen Natur von historischen, soziokulturellen und physikalischen Umweltbedingungen bestimmt wird, ein guter Schwimmer?" (Antonovsky, Übersetzung durch Franke 1997, S. 92)

In der salutogenetischen Perspektive richtet sich der Blick auf die Art und Weise, wie eine Person Stressoren positiv verarbeitet. Widerstandsressourcen, die eine positive Verarbeitung von Stressoren erlauben, sind z. B.:

  • Ausreichende Abwehrkräfte (Immunsystem) des Körpers gegen Krankheitserreger und andere Stressoren,
  • die Fähigkeit, aktiv Stressoren zu meiden (ihnen aus dem Weg zu gehen durch entsprechendes Gesundheits- und Vorsorgeverhalten/Prävention)
  • Intelligenz und geistige Flexibilität, um sich an Lebensbedingungen anpassen zu können oder sie aktiv zu verändern,
  • materielle Ressourcen zur Sicherung von Schutz, Ernährung, Wohnung etc.
  • Soziale Unterstützung in sozialen Netzwerken (z.B. Freunde, Familie, Arbeitskollegen).


Kohärenzgefühl.
Zentral für die Verfügbarkeit und Nutzung von Widerstandsressourcen ist das sogenannte Kohärenzgefühl. Damit ist die Grundhaltung einer Person gemeint, die ihr hilft, Stressoren positiv zu verarbeiten. Das Kohärenzgefühl besteht aus drei Komponenten: der Verstehbarkeit, der Handhabbarkeit und der Sinnhaftigkeit bzw. Bedeutsamkeit (siehe untenstehende Abbildung).

 
 

Nach Antonovsky reagiert ein Mensch mit stark ausgeprägtem Kohärenzgefühl auf Anforderungen (Stressoren), indem er sie als Herausforderung sieht und seine Widerstandsressourcen aktiviert. Ein gering ausgeprägtes Kohärenzgefühl führt hingegen eher dazu, dass die Anforderung schnell als Überlastung empfunden wird.
Der Kohärenzsinn ist also ein positives, aktives Selbstbild der Handlungs- und Bewältigungsfähigkeit, das einhergeht mit der Gewissheit, sich selbst und die eigenen Lebensbedingungen steuern und gestalten zu können.
Je stärker der Kohärenzsinn ausgeprägt ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, Stressoren erfolgreich und mit positiven Auswirkungen auf die Gesundheit zu bewältigen. In diesem Sinne ist es eine Aufgabe der Gesundheitsförderung an Schulen, den Jugendlichen zu einem positiven Kohärenzsinn zu verhelfen.

HAPA-Modell

Gesundheitserziehung zeigt oft nicht die gewünschten Erfolge. Viele Risikoverhaltensweisen haben sich als sehr widerspenstig erwiesen, und pädagogische Eingriffe stoßen häufig auf eine geringe Akzeptanz (z.B. Rauchen, gesunde Ernährung).

Deshalb ist es wichtig, die kognitiven Prozesse zu entschlüsseln, die zwischen der gesundheitspädagogischen Botschaft und dem gesundheitsrelevanten Handeln liegen. Das im Folgenden skizzierte Modell kann einen Beitrag zur Klärung der Frage liefern, wie aus pädagogischen Interventionen das erwünschte Zielverhalten entsteht und an welchen Nahtstellen dieses Prozesses die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns erhöht ist.

Eine ganze Reihe von Modellen versucht, das gesundheitsrelevante Verhalten von Menschen in seiner Entstehung und Beeinflussbarkeit zu erklären. Ein Modell, dass die Faktoren vieler anderer Modelle integriert, ist das HAPA-Modell, das Ende der 1980er von Ralf Schwarzer in Berlin entwickelt wurde. Es knüpft konzeptionell an das Salutogenese-Modell von Antonovsky an. In dem Modell wird von einzelnen Phasen ausgegangen, die in einem positiven Sinne durchlaufen werden müssen, wenn das gewünschte Verhalten (entweder durch Einstellung eines schädigenden und/oder Aufnahme eines gesundheitsfördernden Verhaltens) aufgenommen und aufrechterhalten werden soll.

Diese Phasen sind im untenstehenden Bild dargestellt. Eine nähere Ausführung dazu finden Sie hier.
HAPA-Modell
In einer Motivationsphase beeinflussen die Risikowahrnehmung, die Handlungsergebniserwartung und die Selbstwirksamkeitserwartung die Bildung einer Intention (Zielsetzung). Mit Risikowahrnehmung ist die subjektive Einschätzung einer Person hinsichtlich des Schweregrads von Erkrankungen und der eigenen Verwundbarkeit gemeint. Wird ein bestimmtes Risiko subjektiv als Bedrohung wahrgenommen, werden positive und negative Handlungsergebniserwartungen gegeneinander abgewogen (was muss ich aufgeben, was erhalte ich dafür?).

Soll es im Folgenden zu einer Intentionsbildung kommen, müssen die positiven Konsequenzerwartungen überwiegen sowie eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung vorliegen. Selbstwirksamkeitserwartungen bezeichnen subjektive Überzeugungen, eigene Verhaltensweisen aufgrund eigener Kompetenz ausführen zu können, und zwar insbesondere in Situationen, die neue, unvorhersehbare oder stressreiche Elemente enthalten (Beispiel: Ich schaffe es, auch gegen den Widerstand meines Partners auf der Verwendung eines Kondoms zu bestehen). Den Selbstwirksamkeitserwartungen wird nicht nur in der Motivationsphase des Modells eine große Bedeutung beigemessen, auch in der Volitionsphase entscheiden sie wesentlich darüber, ob eine Verhaltensänderung auch gegen Widerstände aufrechterhalten wird. Den Abschluss der Motivationsphase bildet die Intention zu einer Verhaltensänderung (z.B. kein ungeschützter Geschlechtsverkehr mehr).

Die Volitionsphase beginnt, hier geht es um die Planung, Initiierung und Aufrechterhaltung des Gesundheitsverhaltens sowie um die Erholung von eventuellen Rückschlägen/Rückfällen. Die Volitionsphase wird wiederum in drei Phasen eingeteilt: die präaktionale Phase (Planung und Initiative), die aktionale Phase (Handlungsausführung und Aufrechterhaltung) und die postaktionale Phase (Wiederherstellung oder Disengagement nach Misserfolg).

Da den Selbstwirksamkeitserwartungen eine besonders wichtige Rolle für die Aufnahme und die Aufrechterhaltung eines gesundheitsrelevanten Verhaltens beigemessen wird, sind hier die Entstehungs- und Einflussnahmebedingungen insbesondere durch Lehrer oder andere Multiplikatoren skizziert.

Selbstwirksamkeitserwartungen
Ein Fragebogen zur Einstufung der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartungen nach Matthias Jerusalem & Ralf Schwarzer (1981), revidiert 1999, soll noch einmal verdeutlichen, was mit Selbstwirksamkeitserwartungen gemeint ist und wie sie erhoben werden.

  1. Wenn sich Widerstände auftun, finde ich Mittel und Wege, mich durchzusetzen.
  2. Die Lösung schwieriger Probleme gelingt mir immer, wenn ich mich darum bemühe.
  3. Es bereitet mir keine Schwierigkeiten, meine Absichten und Ziele zu verwirklichen.
  4. In unerwarteten Situationen weiß ich immer, wie ich mich verhalten soll.
  5. Auch bei überraschenden Ereignissen glaube ich, daß ich gut mit ihnen zurechtkommen kann.
  6. Schwierigkeiten sehe ich gelassen entgegen, weil ich meinen Fähigkeiten immer vertrauen kann.
  7. Was auch immer passiert, ich werde schon klarkommen.
  8. Für jedes Problem kann ich eine Lösung finden.
  9. Wenn eine neue Sache auf mich zukommt, weiß ich, wie ich damit umgehen kann.
  10. Wenn ein Problem auftaucht, kann ich es aus eigener Kraft meistern.

Das Antwortformat ist vierstufig:
(1) stimmt nicht, (2) stimmt kaum, (3) stimmt eher, (4) stimmt genau.

Neben diesem Instrument zur Erhebung der allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartungen gibt es noch ein spezifisches Instrument zur Erhebung der Lehrerselbstwirksamkeitserwartungen (Ralf Schwarzer & Gerdamarie S. Schmitz, 1999).

  1. Ich bin mir sicher, daß ich auch mit den problematischen Schülern in guten Kontakt kommen kann, wenn ich mich darum bemühe.
  2. Ich weiß, daß ich zu den Eltern guten Kontakt halten kann, selbst in schwierigen Situationen.
  3. Ich weiß, daß ich es schaffe, selbst den problematischsten Schülern den prüfungsrelevanten Stoff zu vermitteln.
  4. Ich bin mir sicher, daß ich mich in Zukunft auf individuelle Probleme der Schüler noch besser einstellen kann.
  5. Selbst wenn mein Unterricht gestört wird, bin ich mir sicher, die notwendige Gelassenheit bewahren zu können.
  6. Selbst wenn es mir mal nicht so gut geht, kann ich doch im Unterricht immer noch gut auf die Schüler eingehen.
  7. Auch wenn ich mich noch so sehr für die Entwicklung meiner Schüler engagiere, weiß ich, daß ich nicht viel ausrichten kann. (-)
  8. Ich bin mir sicher, daß ich kreative Ideen entwickeln kann, mit denen ich ungünstige Unterrichtsstrukturen verändere.
  9. Ich traue mir zu, die Schüler für neue Projekte zu begeistern.
  10. Ich kann innovative Veränderungen auch gegenüber skeptischen Kollegen durchsetzen.

Anmerkung: mit (–) gekennzeichnete Items müssen umgepolt werden.
Das Antwortformat ist vierstufig:
(1) stimmt nicht, (2) stimmt kaum, (3) stimmt eher, (4) stimmt genau.

Für die Entwicklung der Lehrer–Selbstwirksamkeitsskala wurden zunächst Bereiche mit unterschiedlichen Kompetenzanforderungen innerhalb des Berufsfeldes von Lehrern identifiziert. Es handelt sich hier vor allem um die Bereiche (a) berufliche Leistung, (b) berufliche Weiterentwicklung, (c) soziale Interaktionen mit Schülern, Eltern und Kollegen sowie (d) Umgang mit Berufsstress. Alle vier Bereiche sollten in einem Messinstrument zur Lehrer–Selbstwirksamkeit angemessen vertreten sein.

Selbstwirksamkeitsüberzeugungen werden im Lebensverlauf durch Informationen aus vier unterschiedlichen Quellen aufgebaut: Informationen durch (1.) eigene Handlungserfolge, (2.) Erfahrungen aus dem sozialen Vergleich mit anderen, (3.) überzeugende verbale Rückmeldungen wichtiger anderer sowie (4.) physiologische und affektive Zustände.

  Diese Selbstwirksamkeitsinformationen werden kontinuierlich integriert. Hier sind in einer Tabelle beispielhaft Möglichkeiten für die Förderung von Selbstwirksamkeitserwartungen in den verschiedenen Bereichen dargestellt.
Selbstwirksamkeitsinformationen

1. Selbstwirksamkeitsinformationen durch eigene Handlungserfolge
Entstehung und Einflussmöglichkeiten durch Lehrer.
Durch Erfolge. Stark entwickelte Selbstwirksamkeitsüberzeugungen werden durch vereinzelte Misserfolge oder Rückschläge nicht erschüttert.
Durch die Bewältigung schwieriger Aufgaben. Die Bewältigung leichter Aufgaben hat keinen Einfluss auf die Selbstwirksamkeitsüberzeugung.
Durch Leistungserfolge, die durch externe Unterstützung zustande kommen. Misserfolge aufgrund ungünstiger Bedingungen führen nicht zur Herabsetzung von Selbstwirksamkeitsüberzeugungen. Anknüpfen an Handlungserfolge in unterschiedlichen Bereichen: Sport, Sprache, Mathematik, Sozialkontakte...? Wie sind im Unterricht Möglichkeiten gegeben, eigene Handlungserfolge zu erleben? Wie sind außerhalb des Unterrichts Möglichkeiten gegeben, eigene Handlungserfolge zu erleben? Wie verändern sich die Möglichkeiten für Handlungserfolge alters- bzw. entwicklungsadäquat?
 
2. Selbstwirksamkeitsinformationen durch Erfahrungen aus dem Vergleich mit anderen
Entstehung und Einflussmöglichkeiten durch Lehrer.
Selbstwirksamkeitsinformationen werden eher aus der Beobachtung von erfolgreich handelnden Modellpersonen abgeleitet, zu denen eine gewisse Ähnlichkeit besteht.
Mit wem vergleicht sich der/die Schülerin? In welchen Bereichen vergleicht sich der/die Schülerin mit anderen? Wie gleichen sich die unterschiedlichen Bereiche aus? Wie sind im Unterricht Situationen gestaltet, in denen sich der/die Schülerin vergleicht? Wie außerhalb des Unterrichts?
 
3. Informationen durch überzeugende verbale Rückmeldungen wichtiger anderer
Entstehung und Einflussmöglichkeiten durch Lehrer.
Lehrer, Eltern und Freunde sind wichtige Rückmelder. Im Alltagsleben fokussieren Urteile üblicherweise auf das bisher noch nicht Geschaffte. Der Fokus auf dem bereits Erreichten erhöht Selbstwirksamkeitserleben und Bewältigung. Kommt die Einschätzung dem Eingeschätzten nahe?
 
4. Informationen durch physiologische und affektive Zustände
Entstehung und Einflussmöglichkeiten durch Lehrer.
Die Interpretation einer gefühlsmäßigen Erregung ist von kognitiven Bewertungsprozessen, in diesem Fall von bereits bestehenden Selbstwirksamkeitserwartungen abhängig. Körperliches Aktivierungsniveau, z.B. während einer Klassenarbeit, kann in Abhängigkeit von bestehenden Selbstwirksamkeitserwartungen als Scheitern oder Erfolg gedeutet werden.

Literatur

Die Folgenden Literaturhinweise geben Ihnen sie Möglichkeit sich noch ein bisschen tiefer mit den Themen Gesundheit und Gesundheitsförderung zu befassen.

  • Antonovsky, A. (1987): Unraveling the Mystery of Health – How People Manage Stress and Stay well. San Francisco: Jossey-Bass Publishers, 1987 (deutsch: Franke, A.: Salutogenese: Zur Entmystifizierung der Gesundheit. Dgvt-Verlag, Thübingen 1997
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung/BZgA (2000): Leitbegriffe der Gesundheitsförderung. Verlag Peter Sabo, Schwabenheim.
  • Franke, A. (2006): Modelle von Gesundheit und Krankheit. Bern: Verlag Hans Huber.
  • Schwarzer, R. (1994). Volitionstheorie in der Gesundheitserziehung. Z.f.Päd.40, 907-922, 1994.
  • Schwarzer, R. (2004): Pschychologie des Gesundheitsverhaltens. Einführung in die Gesundheitspsychologie. 3., überarb. Aufl., Göttingen: Hogrefe.
  • Schwartzer, R. (2008). mehrsprachige Materialien zu Selbstwirksamkeit, HAPA-Modell, Skalen, etc. des Arbeitsbereich Gesundheitspsychologie der Freien Universität Berlin. URL: http://web.fu-berlin.de/gesund/ (Stand: 23.07.2008). 
  • WHO (1986) Ottawa Charta. 1st International Conference on Health Promotion, Ottawa, Canada, November 1986
  • Windemuth, D., Wetzstein, A. (2005): Salutogenese – Ein Konzept und seine Bedeutung für den Gesundheitsschutz. Die BG 2/2005
  • Wulfhorst, B. (2002): Theorie der Gesundheitspädagogik. Legitimation, Aufgabe und Funktionen von Gesundheitserziehung. Reihe Grundlagentexte Gesundheitswissenschaft. Weinheim: Juventa.